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Chronik des DRK in Alfter

84 Jahre sind oft mehr als ein Menschenalter. Von den Mitgliedern, die im Januar 1928 die Sanitätskolonne Alfter gegründet haben, lebt niemand mehr. Ihr Verein aber ist lebendig und aus dem Ortsleben nicht mehr wegzudenken. Wie es einst anfing, können wir aus alten Aufzeichnungen zusammen fügen.

Mühsamer Start

Vor einigen Jahren hat uns einer der ersten Kassierer, Viktor Müller, noch erzählt, wer damals mit dabei war. Da gab es die Sanitäter Matthias Dreesen und Josef Weiler, da war Theo Forst von der Köln-Bonner Eisenbahn, Herr Noll, Theo Segschneider, Matthias Langen, Heinrich Küpper, Herr Freschen und viele andere. "Schwer war es schon", Meinte Viktor Müller, "wir hatten zu Anfang keine Uniformen, erst später gab es Armbinden und Mützen". Mit den ersten Mitgliedsbeiträgen wurden auch die notwendigen Anschaffungen bestritten. So mussten Verbandmaterial und Verbandtaschen, Koppel und Schulterriemen mühsam erspart werden. Als dann die ersten Uniformen gefragt waren, blieb auch nur der billigste Weg: Aus dem Reichsdepot für das Deutsche Rote Kreuz in Berlin-Babelsberg wurde der Stoff bezogen und ein Schneider unter den Mitgliedern fertigte die ersten Hosen und Uniformsakkos an. An Ausbildungsmaterial stand wenig zur Verfügung. Die erforderlichen Tragen wusste die Kolonne aus frisch gefällten Birkenstämmchen und darüber gespannten Jacken und Decken herzustellen. Dafür hatte das regelmäßige Üben am Sonntag Vormittag gesorgt. Die Ausbildung wurde schon damals sehr ernst genommen. So gehörte "zur besseren Disziplin" auch das Exerzieren der Kolonne auf dem Kirmesplatz wie auch das Wickeln von Binden und Brandliniment für eventuelle Verletzungen.

Keine Zuschüsse

Die Kassen der öffentlichen Hand blieben auch in diesen Jahren fest geschlossen, das zeigte eine Eingabe, die der Kassenwart im Juli 1936 machte: "Der Sanitätshalbzug Alfter bittet um Gewährung einer Beihilfe zu den Anschaffungskosten im Geschäftsjahr 1935/1936. Eine Aufstellung über die getätigten Anschaffungen und 19 quittierte Belege sind beigefügt". Resigniert schrieb der damalige Kolonnenführer unter den zurückgewiesenen Antrag: "Nach Mitteilung der Provinzialverwaltung stehen keine Mittel zur Verfügung. Also: Kein Zuschuss."

Tagesreise nach Rheinbach

An die Öffentlichkeit trat die Sanitätskolonne Alfter schon bald bei sportlichen und öffentlichen Veranstaltungen. Sie bewährte sich darüber hinaus auch im Rahmen größerer Übungen mit den Kolonnen der Nachbarschaft. Eine Übung in Rheinbach kam damals einer Tagesreise gleich, denn die Kolonne marschierte alle die Kilometer bis zum Einsatzort. Leichter war es dann schon bei der großen Automobilrundfahrt 2000 km durch Deutschland, die von der Sanitätskolonne Alfter in Roisdorf betreut wurde. Der Kolonne wurde im Gemeindebereich aber auch von vielen Seiten Förderung zuteil: So unterstützte bereits 1934 der Pfarrkirchenchor eine Werbeveranstaltung für das Deutsche Rote Kreuz und der Vaterländische Frauenverein unter Fürstin Salm-Reifferscheidt half bei der Gestaltung von Kameradschaftsabenden.

Ausbildung der Frauen

Vielleicht war diese Zusammenarbeit der Anlass, dass sich 1936 auch in Alfter eine "Frauenschaft des DRK" zusammenfand, die nun oft mit den männlichen Bereitschaftsmitgliedern gemeinsam in Erscheinung trat. Manche Namen sind noch in Erinnerung, wie Gertrud König, Maria Fassbender, Clara Kreuzberg, Hermine von Weitershausen und Enzi von Kempis, die erste Berteuerin der weiblichen Mitglieder. Sie organisierte die Ausbildung in Bonner Krankenhäusern für Frauen und Mädchen zu Schwesterhelferinnen.

Kriegsjahre

Wohl niemand ahnte in jenen Jahren, wie schnell die erworbenen Kenntnisse gebraucht wurden. Erhielten die Männer die Gestellungsbefehle zur Wehrmacht, so wurden auch viele Rote-Kreuz-Schwestern die Einberufung zum Kriegsdienst überbracht. So waren Fräulein von Kempis, Frau Raess und Frau Schmitz über die Dauer des Krieges im Lazarett Pützchen tätig und Maria Boos als OP-Schwester im Feldlazarett an der Front. So gar nicht nach den Regln der Genfer Konvention war FrauBoos noch monatelang nach Kriegsende in Gefangenschaft. Für die anderen Frauen blieb neben der verstärkten Berufstätigkeit der Bahnhofsdienst im Hauptbahnhof Bonn, wie auch die Betreuung von Verwundeten in Godesberg und Remagen. Auch bei Geländeübungen des Militärs auf dem Hardtberg mussten Frauen der Bereitschaft Alfter als Sanitäter teilnehmen.

"Mit mir nicht mehr"

Mit dem Ende des Krieges stagnierte wie überall die aktive DRK-Arbeit. Die verbliebenen Uniformen waren als Beutestücke nach Amerika gewandert. Als die ersten Bereitschaftsmitglieder wieder mit ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit begannen, wurden sie oft belächelt. Manches Mal bei den ersten DRK-Versammlungen ein böses Wort und der Vergleich zu früheren Winter-Hilfswerk-Aktionen wurde gezogen. Die Angst vor der Uniform blockierte den Mitgliederstand und bei viele hies es: "Mit mir nicht mehr".

Jahre des Wiederaufbaus

In beharrlicher Arbeit wurde die Bereitschaft wieder aufgebaut. Die Betreuung örtlicher Veranstaltungen wurde zur Selbstverständlichkeit. Jüngere Kräfte traten ein und ermöglichten die Reorganisation. Nach Johann Steinfels, Josef Dick, Theo Segschneider, Willi Jansen und Lambert Henseler übernahm Hans Weber 1961 die Bereitschaftsführung. Bei den Frauen trat Karin Martinet nach dem Tode von Enzi von Kempis 1971 an die Stelle der Bereitschaftsführerin. Mit verbesserter Ausbildung und fundierten Kenntnissen konnte die Bereitschaft dann auch die Öffentlichkeit von ihrem hohen Leistungsstand überzeugen.

Blutspendedienst

Die Anforderungen an das DRK änderten sich. Die Bereitschaft wurde ind den Blutspendedienst einbezogen. Zunächst zwei mal im Jahr, später vier mal pro Jahr wurde erst die Schule , dann das Pfarrheim umgerüstet und diente als "Lazarett". Die Helferinnen betreuten die Spender und reichten Getränke und einen kleinen Imbiss. Auch die Ausbildung wurde nicht vernachlässigt. Die Bereitschaftsmitglieder, viele Bürger der Gemeinde und sogar die Schulkinder konnten an den Erste-Hilfe-Kursen teilnehmen. So bildete sich dann auch die erste Jugendrotkreuzgruppe. Im Anna-Kloster war bald selbstverständlich geworden, dass am Sonntag diese Jugendlichen für die Schwestern einsprangen und Dienst im Altenheim leisteten.

Im Ortsleben unentbehrlich

Bei vielen Veranstaltungen der örtlichen Vereine - sei es nun bei Sportveranstaltungen, bei Karnevalsumzügen oder auch Altentagen - wurden Rote-Kreuz-Helfer gebraucht, um die Sanitätsversorgung sicherzustellen. Aber auch in andern Bereichen wurde die Unterstützung des DRK dankbar angenommen: In die Unterkunft im alten Schulhaus am Hertersplatz zog eine Kinderspielgruppe ein, um die zu dem Zeitpunkt fehlenden Kindergartenplätze zu ergänzen. Da musste auch schon einmal Geduld bewiesen werden, um konkurrierende Nutzung zu koordinieren. Darüber hinaus haben Vorstand und Bereitschaft jahrelang die Aktivitäten von Hedwig Göttner für die Sommeraufenthalte russischer Kinder aus Iwanowa und die daraus entstehenden Kontakte tatkräftig unterstützt.

Schwierige Zeiten ohne Unterkunft

1991 begannen schwierige Zeiten für den Ortsverein. Das bisherige Domizil im alten Schulgebäude am Hertersplatz musste geräumt werden, um zunächst Asylbewerbern eine Bleibe zu verschaffen. Dann erfolgte der Umbau zum Bürgerhaus. Vieles musste in dieser Zeit improvisiert werden, in der kein Lagerraum, kein Schulungsraum, kein Treffpunkt zur Verfügungstand - keine leichte Aufgabe für Christa Winkelhog, die 1992 von Karin Martinet die Führung der Bereitschaft übernahm. Erst im November 1997 konnte die neue Unterkunft im Dachgeschoss des Bürgerhauses wieder bezogen werden, die sich das DRK mit der Arbeiterwohlfahrt teilt. Auch in diesen Räumen musste zunächst kräftig investiert werden, um sie der vielfältigen Nutzung entsprechend auszugestalten.

Wachsende Anforderungen

Ende Dezember 1997 konnte die örtliche Gemeinschaft durch 9 aktive Mitglieder verstärkt werden. Dadurch wurde es möglich, neue Aufgabengebiete anzugehen. Da unter den Neuzugängen ein ausgebildeter Rettungsassistent sowie 3 Rettungssanitäter waren, konnte nun auch die Fachrichtung Rettungsdienst in den Aufgabenbereich der Bereitschaft integriert werden. Ergänzt wurde der Betreuungsdienst. Aufgabe des Betreuungsdienstes ist es, Menschen in besonderen Situationen beizustehen, z.B. Unfallbeteiligten, auch wenn sie keine körperlichen Verletzungen haben, oder "Stauopfern", sei es bei nun in sengender Hitze oder bei Schnee und Eis. Warme Decken müssen ebenso bereitgehalten werden wie Verpflegung, manchesmal wird das tröstende Wort, das Gespräch gebrauch. Die neue Aufgabe zog wieder einmal die Investition eigener Mittel nach sich: Der vorhandene Ford Transit musste mit neuer Funk- und Blaulichtanlage ausgestattet werden. Mit diesem Wagen ist die Bereitschaft seitdem vielfach im Einsatz gewesen. Angesichts der wachsenden Anforderungen mussten zwangsläufig die Sachgebiete neu geordnet werden: Blutspende, Sanitätsdienst, Fahrzeugverwaltung, technische Dienste wurden neu organisiert. Um die Vielfältigen Aufgaben der Ber Bereitschaft zweckgerichtet und effizient zu bewältigen, wurde auch eine neue Führungsgruppe der Bereitschaft ins Leben gerufen. Willi Laufenberg, der bereits seit 1998 kommissarisch die Führung übernommen hatte, wurde im April 1999 als Bereitschaftsführer gewählt. Damit wurde der neuen Gewichtung der Aufgaben innerhalb der Bereitschaft Rechnung getragen.

Verstärktes Engagement im Rettunsdienst

Ausbildung und Fortbildung war eins der wesentlichen Ziele, die sich das DRK Alfter in dieser Zeit vorgenommen hat. So konnten im Jahre 2002 zwei Rettungssanitäter und zwei Rettungshelfer ausgebildet werden. Auch in den Bereichen Erste Hilfe, Technik und Sicherheit, Verpflegung und Blutspende wurden entsprechende Lehrgänge von den Helferinnen und Helfern mit Erfolg absolviert. Die verstärkte Ausbildung im Bereich des Rettungsdienstes, die konsequent fortgesetzt wurde, führte fast zwangsläufig auch zu neuen Überlegungen: Ein Krankentransportwagen war das ersehnte Ziel, das im Juni 2002 verwirklicht werden konnte - ein gebrauchtes Fahrzeug zwar, aber ausgestattet nach den DIN-Vorschriften und tauglich für die Mitwirkung in der neugegründeten Krankentransportgesellschaft des Rhein-Sieg-Kreises. Zusammen mit der neuen Rot-Kreuz-Fahne, die dank der großzügigen Spende eines Mitgliedes beschafft werden konnte, wurde dieser KTW beim Tag der offenen Tür eingesegnet.

Gymnastik für Senioren

Auch in anderen Bereichen konnte das DRK Alfter sein Angebot erweitern. Schon lange war die Gründung einer Senioren-Gymnastikgruppe unter fachkundiger Leitung angedacht. Mit Dorothee Homisse, die sich mit viel Engagement auf diese Aufgabe vorbereitet und entsprechende Lehrgänge besucht hat, konnte das Angebot im Bürgerhaus am Herrenwingert dann realisiert werden. Nach zunächst vorsichtigem "Schnuppern" in den ersten Stunden hat sich dieser Kurs inzwischen zu einem festen Bestandteil des DRK-Angebotes entwickelt. Beweglichkeit wird eben groß geschrieben beim DRK Alfter - gleichgültig ob es sich um Fitness für Senioren, den Rettungseinsatz bei Großbränden wie im Phantasialand, die Betreuung von Autofahrern auf der A3 bei unvorhergesehenen Wintereinbruch oder um die Betreuung bei Karnevalsumzügen oder Ortsfesten handelt.

Das DRK sagt Dank

Doch ohne die vielfältige Unterstützung, auf die das DRK Alfter in diesen 84 Jahren bauen durfte, wäre es ihm unmöglich gewesen, die Aufgaben zu erfüllen, in deren Dienst sich die Mitglieder voler Überzeugung und voller Engagement gestellt haben. Das 75jährige Jubiläum war daher für uns, das DRK Alfter, auch die Gelegenheit, Dank zu sagen für die Hilfe, die wir in all diesen Jahren von unseren Mitgliedern und von den Bürgerinnen und Bürger in der Gemeinde Alfter erfahren konnten, die mit ihrem Beitrag und ihren Spenden der Haus- und Straßensammlung dazu beigetragen haben, die Ausstattung der Bereitschaft zu verbessern und die Ausbildung der Mitglieder zu fördern. Nur so wurde das DRK Alfter in die Lage versetzt, seinen Dienst im Namen der Menschlichkeit zu erfüllen. Wir blicken auf 75 Jahre zurück. Zugleich blicken wir in die Zukunft und hoffen, dass der Geist der Gemeinschaft unsere Arbeit weiterhin trägt, dass wir weiterhin Unterstützung in der Bevölkerung finden und dass wir vor allen Dingen immer wieder Menschen finden, die bereit sind, ihre Kraft und ihre Zeit diesem ehrenamtlichen Dienst am Mitmenschen zu widmen.